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Fussball - Geschichten

Promotion League - Saison-Vorschau 2019/20

Roland Deschain (DeRo) - 01.08.2019

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Die neue Saison der Promotion League steht vor der Tür. Wer sind die Favoriten? Wer spielt ums Überleben? Wie immer haben die Propheten nicht immer recht, trotzdem wagt Elfsport eine Prognose.

Die Probleme der dritthöchsten Liga

Mit dem FC Stade Lausanne Ouchy stieg letzte Saison das stärkste Team nach überzeugenden Leistungen auf. Die Lausanner hatten aber akute Finanzprobleme, sodass Stade Nyonnais-Präsident Vartan Sirmakes dem Gegner unter die Arme greifen musste. Genauso sieht es bei anderen Klubs aus.
Vor zwei Jahren schaffte der BSC Old Boys sportlich den Ligaerhalt, mangels Geld wurde keine neue Lizenz beantragt. Nun wurden die Basler gleich in die 2. Liga durchgereicht. Der FC La Chaux-de-Fonds - der damalige Profiteur - spielte letzte Saison desolat, dies war aber neben dem Überlebenskampf zweitrangig.
Die Berner Teams sind exemplarisch für die Situation. Der Kanton Bern ist mit drei Teams (FC Breitenrain, FC Köniz, FC Münsingen) deutlich übervertreten. Der FC Münsingen gehört zu den Zwergen und hat wohl das kleinste Budget der Liga - der Klub selber sieht sich selber eher als 1. Liga Team - hier wäre ein Abstieg kein Beinbruch. Der FC Köniz, lange ein Krösus, muss kleinere Brötchen backen. Die Stars wurden durch junge Spieler ersetzt. Der FC Breitenrain präsentierte letztes Jahr ein happiges Minus, Präsident Claudio A. Engeloch beschäftigte sich deshalb mit einem freiwilligen Rückzug aus der Promotion League. Dabei wurde nicht von der 1. Liga gesprochen, sondern gleich von der 2. Liga.
Toptorjäger bzw. Dinosaurier wie Karim Chentouf und Ante Franijc sterben aus. Der letztjährige Torschützenkönig #SuperChentouf verabschiedete sich (mindestens kurzfristig) in die Challenge League. Ante Franjic wechselte bereits im Winter vom FC Köniz (Sparmassnahme) zu einem ambitionierten 2. Liga Interregional Klub. Weitere ältere, bekannte Spieler (u.a. Fabrizio Zambrella, Ishmael Yartey, Orhan Mustafi) verliessen die Liga.
Man darf gespannt sein, wie sich die in der dritthöchsten Schweizer Liga weiter entwickelt.

Aufstiegsfavoriten

Der Absteiger FC Rapperswil-Jona musste diverse Abgänge verkraften. Der erfahrene Jérôme Thiesson (FC Aarau) und der Torjäger Aldin Turkes (FC Lausanne-Sport) sind die gewichtigsten Verluste.
Doch auch diverse hoffnungsvolle Spieler konnten verpflichtet werden. Die Defensive wird mit Zlatko Hebib vom Konkurrenten FC Stade Nyonnais und den beiden Winterthurern Denis Markaj und Nicloas Stettler verstärkt. Im Mittelfeld kommen die Promotion League erfahrenen Muhamed Seferi (FC Wohlen) und Enes Ciftci (FC Breiteinrain) zu den St. Gallern.
Kapitän Jonas Elmer und Stéphane Nater bleiben und sollen mit ihrer Erfahrung mithelfen den direkten Wiederaufstieg zu schaffen. Wenn sich das neuformierte Team rasch findet, kann dies klappen.

Die AC Bellinzona zeigte eine starke Saison als Aufsteiger. Mit den Tessinern ist ebenfalls zu rechnen. In der Pause gab es allerdings neben dem Platz einige Gerüchte. Auf der Trainerposition lief die Gerüchteküche heiss, die bekannten Maurizio Jacobacci, Marco Schällibaum und Davide Morandi waren im Gespräch. Schlussendlich wurde aber der Vertrag von Luigi Tirapelle verlängert - eine gute Entscheidung.
Der undurchsichtige Spielervermittler und ex-Geldgeber des FC Luganos Pablo Bentancur wurde in Bellinzona gesichtet. Eine offizielle Funktion hat er aber nicht und Präsident Paolo Righetti versicherte, dass der Klub aufs Tessin setzt. Trotzdem wird eine vertiefte Zusammenarbeit nicht ausgeschlossen. Mit Leonardo Melazzi (Rampla Juniors, Uru - früher u.a. Lugano, Chiasso, Genoa) stiess auch ein prominenter südamerikanischer Spieler zu der Granata. Das mittelfristige Ziel ist ganz klar die Challenge League, dieses Jahr wird es aber nicht ganz reichen.

Yverdon-Sport startete letzte Saison als grosser Favorit ins Aufstiegsrennen, dies ist wieder so. Mit Mustafa Sejmenovic (zurück von Xamax), Fabio Morelli (FC Köniz), Norman Peyretti (FC Aarau) und Christos Aravidis (FC Asteras Tripolis, Gre) kamen einige Hoffnungsträger. Die Waadtländer sind bereit, die Chancen stehen gut, dass es diese Saison klappt.

Das Mittelfeld

Neben den Spitzenteams dürfte es recht eng zu und her gehen. Diverse Klubs müssen den Gürtel enger schnallen - die Ausgeglichenheit ist gross. Ein guter Start wird wichtig sein, mit dem nötigen Selbstvertrauen können wichtige Punkte gewonnen werden und die Abstiegsangst vertrieben werden.

Der SC Cham gehört sicherlich zum vorderen Mittelfeld, die Mannschaft wurde vor allem mit jungen Spielern mit Potenzial ergänzt. Vom SC Brühl stiess zudem der erfahrene und offensivstarke Aussenverteidiger Nikola Bozic zu den Innerschweizern. Einziges Fragezeichen ist die Trainerposition - unter dem alten (Kult-)Trainer Jörg Portmann spielte das Team (immer) am oberen Limit ihrer Fähigkeiten. Doch dies ist ebenfalls dem neuen Trainer Roland Schwegler zuzutrauen. Er führte den FC Linth 04 sehr erfolgreich, er gehört mit seinen 37 Jahren zu den Trainertalenten.

Der SC Brühl hat eine Saison zum Vergessen hinter sich, der Start gelang noch, danach ging nichts mehr. Der Trainer Heris Stefanachi - er kam letzte Saison kurz vor Weihnachten - ist gefordert. Nun konnte er die Mannschaft nach seinen Vorstellungen umbauen. Die Vorgaben der Klubführung liessen aber keine grossen Sprünge zu - die Mannschaft musste jünger und günstiger werden.
In der Verteidigung schmerzen die Abgänge von Nikola Bozic (SC Cham) und des Captains Ilija Ivic (FC Widnau bzw. Studium). Den Spielführer soll vor allem Atila Araujo Prado (SC YF Juventus) ersetzen, er hat die nötige Erfahrung. Der FC St.Gallen platzierte junge Spieler beim Stadtkonkurrenten (Patrick Sutter, Serkan Izmirlioglu, Sanijel Kucani) - letztes Jahr klappte dies mit Nicolas Eberle so gut, dass er bereits in der Winterpause in die Challenge League zum FC Rapperswil-Jona weiterzog.
Die Gallusstädter haben neben jungen auch erfahrene Spieler, deshalb sollte eine deutliche Steigerung möglich sein, alles andere als ein Mittelfeldplatz wäre eine herbe Enttäuschung.

Lange gehörte Etoile Carouge zur Beletage des Schweizer Fussballs. Doch 2016 musste der Verein sogar in die Viertklassigkeit absteigen, nun sind die Genfer zurück in der Promotion League. Hier gehören sie sicherlich hin, sie werden eine Bereicherung für die Liga sein.
Das Team musste auf der einen Seite wichtige Abgänge (Dylan Dugourd zu Xamax - Mohamed "Zeki" Amdouni zu Stade Lausanne Ouchy) verkraften. Doch auf der anderen gelang mit der Rückkehr von Geoffrey Tréand (Xamax) der Transfercoup schlechthin. Mit Altstar Sally Sarr (Servette) soll die Verteidigung stabilisiert werden. Das Kader hat einiges an Qualität, somit wäre sogar ein Durchmarsch in die Challenge League nicht ganz ausgeschlossen. Die Spitzenteams werden jedenfalls ungern ins Stade de la Fontenette fahren.

Der SC YF Juventus hat sein Kader wieder einmal deutlich umgekrempelt. Die letzten drei Jahre spielten die Stadtzürcher jeweils gegen den Abstieg, dies soll sich wieder ändern. Diego Ciccone vom FC Rapperswil-Jona und Stürmer Admir Seferagic vom SC Kriens sind die beiden bekanntesten Neuzugänge. Wenn es gelingt Ruhe in den Klub und die Mannschaft zu bringen, ist eine Mittelfeldklassierung möglich.

Die "Gallier" vom FC Bavois sind weiterhin in der Promotion League mit dabei. Bisher gehörten sie zu den Abstiegskandidaten, doch der Klub konnte sich immer halten. Die Rangierung zeigte jedes Jahr nach oben (von Platz 14 zu 13 zu 8) - diese Saison könnte sich dies weiter verbessern.
Das Kader erfuhr nur kleinere Retouchen. Die beiden Altstars Arnaud Bühler und Luis Pimenta werden zwar nicht jünger, doch gerade im Sturm konnte mit Wandervogel Andelko Savic (FC Wil) ein interessanter Spieler geholt werden. Im Mittelfeld wird Valérian Boillat (FC Köniz) die Qualität und die Breite des Kaders erhöhen.
Rechtzeitig zum Start wurde die Tribüne aufgefrischt, wir erwarten erfrischenden Fussball und eine gute Platzierung.

Die Nachwuchsteams vom FC Sion und dem FC Basel dürften trotz schwankenden Leistungen auf einem einstelligen Platz landen. Der Nachwuchs des FC Zürich muss schauen, nicht in den Abstiegsstrudel zu gelangen.

Der Abstiegskampf

Einige Klubs wollen vermehrt auf jüngere Spieler setzen, bei den meisten Klubs ist dies wohl eher dem Budget als der inneren Überzeugung geschuldet.

Der FC Stade Nyonnais gehörte in den letzten Saisons jeweils zu den Favoriten. Ihr Präsident Vartan Sirmakes hat dem FC Stade Lausanne Ouchy unter die Arme gegriffen, nun scheint er sein Engagement für Nyon zurückzufahren. Anders sind die Kadermutationen bzw. gewichtigen Abgänge nicht zu erklären. Topstürmer Karim Chentouf blieb im Stadion, doch er wechselte zum Aufsteiger aus Lausanne. Dort hat er aber den Vertrag aus familiären Gründen bereits wieder aufgelöst, vielleicht kehrt er ja zurück. Ebenfalls zu Stade Lausanne wechselte Marco Delley. Mit Zlatko Hebib (FC Rapperswil-Jona), Fabrizio Zambrella (Meyrin FC) und Ishmael Yartey (Kokkolan PV, Fin) verliessen weitere erfahrene Hochkaräter die Waadtländer. Die Zuzüge kamen hauptsächlich aus der Gegend, aber aus tieferen Ligen. Der neue, junge Trainer Ricardo Dionisio ist gefordert, es ist seine erste Station als Chefcoach. Falls der Start nicht gelingt, dürfte es eine schwierige Saison werden.

Ähnlich sieht es beim FC Köniz aus, lange leistete sich der Klub bzw. sein Hauptsponsor MLG ein paar Altstars (u.a. Carlos Varela, Jiri Koubsky, Gabriel Urdaneta). Seit anfangs 2019 ist dies vorbei. Die letzte Rückrunde unter dem Jungtrainer Silvan Rudolf verlief erstaunlich erfolgreich. Auf diese Saison wurde das Team weiter verjüngt. Es stiessen hauptsächlich junge Fussballer von Nachwuchsteams (FC Thun, YB, FC Basel) und der eigenen zweiten Mannschaft zum Promotion League Kader. Eine riskante Strategie, dies ist eigentlich nur konsequent, investiert doch der Klub viel in seine Jugendförderung.

Der zweite Berner Klub, der FC Breitenrain hat gleichfalls Geld Probleme. Der Präsident zog sogar einen freiwilligen Abstieg in die 1. Liga in betracht.
Die Kadersubstanz konnte gehalten werden, der Abgang von Stürmer Miroslav Konopek wird mit Marko Dangubic ersetzt. Dies erhöht sogar die offensive Schlagkraft. Der Wegzug von Enes Ciftci zum FC Rapperswil-Jona wird schwieriger zu kompensieren sein. Neto kriegt nach seiner Leihe beim FC Biel eine zweite Chance. Trotzdem dürfte es für die Stadtberner keine einfache Spielzeit werden.

Keine grossen Sprünge kann sich der FC Münsingen leisten. Das Ziel ist wieder der Ligaerhalt, dies dürfte diese Saison nicht einfacher werden. In der Defensive muss Trainer Kurt Feuz die Dreier-Brüder Maximilian und Antonius ersetzen. Mit Ilker Tugal stösst ein routinierter Verteidiger zum Klub. Die beiden wichtigsten Spieler - Torhüter Patrick Karrer und Stürmer Patric Gasser konnten gehalten werden.
Die Aaretaler können mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung den Klassenerhalt erreichen, es wird aber sehr schwierig.

Der Basler Fussball wird erdrückt vom FC Basel. Mit dem Aufsteiger FC Black Stars kann das Nachwuchs-Team vielleicht wieder vom zweiten Platz in der Stadthierarchie verdrängt werden. Dies wäre wünschenswert bzw. eine Stadtbasler Mannschaft ist für die Promotion League gut.
Der Klub tätigte einige Transfers, ohne aber mit der grossen Kelle anzurühren. Trainer Samir Tabakovic setzt auf junge Spieler und solche welche 1. Liga erprobt sind. Ob dies gegen den Abstieg reicht wird sich zeigen.

Elfsport-Prognose
1. Yverdon 2. AC Bellinzona 3. FC Rapperswil-Jona 4. Etoile Carouge FC 5. FC Basel U21 6. FC Bavois 7. FC Sion U21 8. SC Cham 9. SC Brühl SG 10. SC YF Juventus ZH 11. FC Breitenrain 12. FC Zürich U21 13. FC Black Stars Basel 14. FC Köniz 15. FC Stade Nyonnais 16. FC Münsingen

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