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Fussball - Geschichten

Schweiz - die Fussball-Saison 1917/18

Roland Deschain (DeRo) - 05.05.2018

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Der erste Weltkrieg zeigte seine Auswirkungen im Schweizer-Fussball. Die Saison fand statt, aber der FC Baden hatte keine Spielstätte, da diese für die Anbauschlacht gebraucht wurde. Ebenfalls im St. Galler Espenmoos wurden Kartoffeln angepflanzt, trotzdem konnte irgendwie der Fussballbetrieb aufrecht erhalten werden. Die Berner Young Boys spielten statt im Spitalacker auf der Kasernenmatte.
Immerhin profitierte der Fussball von einer militärischen Sonderbehandlung. Dank der guten Fitness der Fussballtreibenden, erhielten die Soldaten vielfach Urlaub für die Fussballspiele.

Generell hatten die Vereine mit Finanzproblemen zu kämpfen. Die SBB schränkten den Zugverkehr ein und die Tarife wurden deutlich erhöht. Die zweite Mannschaft des FC St. Gallens ging sogar zu Fuss ans Serie B - Spiel gegen den FC Arbon (1-1).

Trotz dieser Widrigkeiten wurde Fussball gespielt. Die Serie A war in drei regionale Gruppen zu je 8 Teams eingeteilt, die drei Gruppensieger duellierten sich in einer Finalrunde um den Titel. Ein direkter Absteiger war nicht vorgesehen, doch in einer Abstiegsrunde der drei letztplatzierten Teams wurde der Barragegegner des Serie B - Meisters ausgespielt.

Ost-Gruppe

Der amtierende Meister FC Winterthur-Veltheim gewann die Gruppe, bis ihm 10 Punkte abgezogen wurden. Damit landete der Titelverteidiger nur auf dem fünften Platz. Dies weil der Klub einen Spieler ohne die nötigen Qualifikationen eingesetzt hatte. Der Nutzniesser FC St. Gallen soll dafür sogar einen Detektiv für die Untersuchungen hinzugezogen haben.
Die St. Galler schafften somit zum zweiten Mal den Einzug in die Finalrunde, beim ersten Mal 1904 reichte es zum Titel. Der 1879 gegründete Klub konnte knapp den FC Zürich und vor allem den Stadtrivalen FC Brühl hinter sich lassen.

Der Aufsteiger FC Neumünster Zürich klassierte sich vor den Grasshoppers, diese verhinderten vor 2 Jahren den Aufstieg von Neumünster bzw. wurden am Grünen Tisch für den Aufstieg vorgezogen. Die Begründung des Fussballverbandes war damals, dass die Grasshoppers als Gründungsmitglied des Verbandes in die höchste Liga gehören.

1FC St Gallen14102237-211622
2FC Zürich1492337-271020
3FC Brühl St Gallen1482435-221318
4FC Neumünster Zürich (N)1452731-26512
5FC Winterthur-Veltheim1460830-32-212
6Grasshopper-Club Zürich1451824-35-1111
7FC Blue Stars Zürich1441924-34-109
8FC Young Fellows Zürich14401022-43-218

Central-Gruppe

In der Central-Gruppe wurden nur je 12 Spiele ausgetragen, der FC Baden konnte mangels Spielfeld nicht mitspielen. Der Badener Heimplatz in Killwangen wurde für den Anbau von Lebensmittel gebraucht. Andere Klubs hatten ebenfalls dieses Problem, fanden aber eine Ausweich-Spielstätte. Der FC Baden musste somit "kampflos" in die Abstiegsrunde.

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FC Baden, Mannschaft
Bild: 54erclub.ch - Mannschaft des FC Baden

Die Berner Young Boys setzten sich mit nur einer Niederlage gegen den FC Basel und den FC Aarau durch. Nach den drei Titeln de Suite (1909-1911) mussten die Berner dreimal in der Finalrunde einem anderen Team den Vortritt lassen. Nun machte sich das Team Hoffnungen auf den vierten Titel.

Der dreifache Vizemeister BSC Old Boys war 1916 noch in der Finalrunde, mit nur 2 Siegen und 4 mickrigen Pünktchen profierte der Verein vom Platz-Problem des FC Badens, sonst hätte wohl der letzte Platz gedroht. Die Abwehrarbeit von OB war vielfach desaströs, in 12 Spielen kassierte das Team 50 Tore.

1FC Young Boys Bern1283152-181619
2FC Basel1273231-191017
3FC Aarau1272324-161316
4FC Bern1244421-26512
5FC Nordstern Basel1232718-26-28
6FC Biel-Bienne1240824-35-118
7BSC Old Boys Basel12201020-50-104
8FC Baden00000-0-210

West-Gruppe

Der Servette FC setzte sich im Westen gegen die zwei La Chaux-de-Fonder Teams Etoile und FC durch. Die Grundlage erspielten sich die Genfer mit einer makellosen Vorrunde. Nach 9 Siegen in Folge, brachte der Etoile La Chaux-de-Fonds wieder etwas Spannung in die Meisterschaft und fügte Servette eine 0-4 Heimpleite bei.
Die Grenats liessen sich dadurch nicht aus dem Konzept bringen. Im Heimderby gegen FC Genève wurde noch einmal ein Punktverlust zugelassen. Dies waren die einzigen Verlustpunkte.
Beeindruckend war die Offensive der Servettiens, sie schoss 74 Tore, zusätzlich wurden alle 7 Auswärtspartien gewonnen.

Am Tabellenende platzierte sich Montreux-Sports FC, nur mit Glück holte das Team wenigstens einen Punkt, mit nur 10 Treffern und 51 Gegentoren ist dieses bescheidene Abschneiden nicht verwunderlich.
Das Bestergebnis von Montreux, noch unter dem Namen Montreux-Narcisse FC (Datum/Jahr der Umbenennung nicht klar) waren zwei 5. Plätze (1912/1916). Danach schafften die Montreuxer immerhin den einen oder anderen Mittelfeldplatz, doch 1925 folgte der Abstieg aus der höchsten Liga.
Auf dem zweitletzten Platz klassierte sich der FC Fribourg, welcher sich bis im Sommer 1917 FC Stella Fribourg genannt hatte.

1Servette FC Genève14121174-215325
2Etoile La Chaux-de-Fonds1493246-202621
3FC La Chaux-de-Fonds1493242-261621
4FC Cantonal Neuchâtel1461735-43-813
5Montriond FC Lausanne1453628-36-813
6FC Genève1435632-44-1211
7FC Fribourg14311019-45-267
8FC Montreux-Sports14011310-51-411

Finalrunde

Am 17. März startete die Finalrunde in Lausanne, Servette schlug YB in einem torreichen Spiel mit 4-2. Die Young Boys bestritten ihr zweites Spiel am 7. April in Basel gegen FC Winterthur-Veltheim und gewannen 3-0. Doch als das Central-Comité feststellte, dass die Winterthurer eine unberechtigte Spielerlaubnis für einen Spieler erhalten hatten, mussten die Berner noch einmal antreten.
Dafür fand das Spiel gegen den FC St. Gallen in Bern statt, das Heimteam gewann 2-1.

Erst am 5. Mai 1918, also 7 Wochen nach Beginn der Finalspiele wurde der Meister in Zürich gekürt. Der FC St. Gallen musste gewinnen. Doch die Genfer spielten gross auf und schickten den FCSG gleich mit 4-0 nach Hause.
Die Grenats gewannen ihren zweiten Meistertitel, mit je 4 Toren überzeugte die Offensive auch in der Finalrunde.

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Servette FC, Meister 1918
Bild: super-servette.ch - Meister 1918 - Servette FC - Greiner, Beyner, Merkt, Wionsowski, Bédouret, Fehlmann Pache, Bouvard, Leiber, Risterer, Perrier, Mangold

Zu den Stars bei den Genfern gehörten Oskar Merkt (ex-Old Boys Basel und Nationalspieler), der Pole Léo Wionsowski, Karl Mangold (ex-Young Boys) und das 20-jährige Jungtalent Robert Pache. Er kam von Forward Morges und setzte gleich Akzente.
Er spielte später erfolgreich im Ausland, von 1919 bis 1921 bei Cerlcle Athlétique de Paris, dort wurde er 1920 Cupsieger. Danach kehrte er zu Servette zurück und holte mit den Grenats 1922 erneut die Meisterschaft. In dieser Zeit spielte er ebenfalls in der Schweizer Nationalmannschaft, sein Karrierehöhepunkt war die Olympia-Silbermedaille 1924 in Paris (0-3 Finalniederlage gegen Uruguay).

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Robert Pache, Servette FC
Danach zog es ihn noch einmal ins Ausland, von 1924 spielte er in Frankfurt, zuerst beim FSV Frankfurt und danach noch kurz für Rot-Weiss Frankfurt.
Im Jahr 1930 kehrte er in die Schweiz zurück und trainierte unter anderem den Servette FC und den FC Lausanne-Sports, gegen Ende des Jahrzehnts folgte die Rückkehr zum Jugendklub Forward Morges.